Peer Review für Schulleitungskräfte - April 2015

Peer Review für Schulleitungskräfte – ein Interview mit Dr. Jörg Weber

Dr.Jörg WeberDas Interview führte Frau Petra Franke, IBB-Öffentlichkeitsarbeit, mit Herrn Dr. Jörg Weber, Carl-Severing-Berufskolleg, Bielefeld. Herr Dr. Weber ist Mitglied des Arbeitskreises Peer Review für Schulleitungskräfte.

 

Das Peer Review für Schulleitungskräfte geht mittlerweile in die dritte Runde. Welche Themen haben Sie in der Vergangenheit erarbeitet und welche Inhalte stehen aktuell im Mittelpunkt?

Es fanden in den Schuljahren 2011/2012 und 2012/2013 bereits Peer-Review-Arbeitskreise für Schulleitungsmitglieder zu den Themen 'Gelingensbedingungen und Handlungsziele des IBB' sowie 'Professionelle Teamarbeit in Schulleitung' statt. Momentan arbeitet eine Gruppe von Schulleiterinnen und Schulleitern mit dem Schwerpunkt Kommunikation und Transparenz am Thema 'Schulentwicklungsprozesse planen, steuern, evaluieren und regional abstimmen':

1. Martina Buhl, Stellvertretende Schulleiterin am Anna-Siemsen-Berufskolleg Herford;
2. Dieter Freyer, Schulleiter am Ems-Berufskolleg, Rheda-Wiedenbrück;
3. Afra Gongoll, Schulleiterin am Erich-Gutenberg-Berufskolleg, Bünde;
4. Marco Grahl-Marniok, Stellvertretender Schulleiter am Friedrich-List-Berufskolleg, Herford;
5. Alexandra Hubenthal, Schulleiterin am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Paderborn;
6. Dr. Jörg Weber, Schulleiter am Carl-Severing-Berufskolleg, Wirtschaft und Verwaltung, Bielefeld.

Die Arbeitsgruppebeim PeerReview

Die Gruppe hat sich nach den Kriterien „ländliche/städtische Struktur der Berufskollegs“, „unterschiedliche Ausrichtungen der Berufskollegs“ und nach dem „Entwicklungsstand des demografischen Wandels“ etabliert.

Welche Ziele streben Sie aktuell in Ihrer Arbeit an?

Unser Ziel auf der inhaltlichen Ebene ist es, eine allgemeine Systematik zur Gestaltung von Kommunikations- und Informationsprozessen in regionalen Schulentwicklungsprojekten zu erarbeiten, die auf andere Berufskollegs übertragbar ist.

Weitere Ziele bzw. Meilensteine unserer Arbeit sind, die inhaltlichen Ergebnisse in einem Diskussionspapier zur 'Gestaltung von Kommunikations- und Informationsprozessen in regionalen Schulentwicklungsprojekten' zusammenzufassen und vor einer Veröffentlichung einem Peer-Review-Prozess zu unterziehen. Die so genannten „kritischen Freunde“ sind Vertreter aus Schulleitungen, Schulträgern und der Schulaufsicht. Dies soll noch in diesem Schuljahr realisiert werden.

Nach welcher Systematik erfolgt die Zusammenarbeit?

Innerhalb der Gruppe arbeiten wir aktuell auf der inhaltlichen Ebene. Wir haben uns für das Entwickeln einer allgemeinen Systematik zur Gestaltung von Kommunikations- und Informationsprozessen in regionalen Schulentwicklungsprojekten für die induktive Vorgehensweise entschieden.

Das bedeutet, dass wir zunächst konkrete Anwendungsbeispiele aus der Region, die von Schulleitung, Schulaufsicht oder Schulträgern stammen könnten, formuliert haben. Ich nenne mal ein paar Beispiele:

  • „Runder Tisch“ zum Umgang mit nicht versorgten Schülerinnen und Schülern;
    (Mit den unversorgten Schüler/-innen sind diejenigen gemeint, die noch berufsschulpflichtig sind, aber weder einen Schulplatz noch eine Ausbildung zum nächsten Schuljahr finden.)
  • Standortübergreifender Einsatz/Ausbildung von Lehrkräften mit Mangelfächern;
  • Rekrutierung von pädagogischen Führungskräften;
  • Beschulung internationaler Klassen, Beschulung im ländlichen Bereich;
  •  …

Ausgehend von dem Beispiel „'Runder Tisch' zum Umgang mit nicht versorgten Schülerinnen und Schülern“ erarbeiteten wir einen Prozessablauf zur Kommunikations- und Informationsstruktur. Ich nenne mal einige Eckpunkte:

  • Regelmäßige Sitzungen der Schulleitungen innerhalb des Schulträgerbezirks;
  • Schulleitungen definieren gemeinsam den Teilnehmerkreis (z. B. Kammern, Agentur für Arbeit, Ausbildungsorganisationen, Schulträger, Schulaufsicht), den inhaltlichen Problemumfang und das Ziel des „Runden Tisches“;
  • Sprecher/-in der Schulleitungen bereitet das Thema vor (Entwurf) und beschreibt die Situation für die Einladung der Beteiligten (Information);
  • Schulleitungen können im Vorfeld im Umlaufverfahren ihre Anmerkungen und Änderungswünsche einbringen. […];
  • Einigung auf die Etablierung eines Projektes zur Lösung des Problems.

Des Weiteren fixierten wir so genannte Kommunikationsschritte innerhalb eines Schulentwicklungsprojektes. Die aus dem Projektmanagement bekannten Prinzipien „Planen, Steuern, Evaluieren“ dienten dabei als Grundlage:

  1. eine Definition des Projektes unter Berücksichtigung von Zielen, Ressourcen, Projektpartner, einem Zeitraster und struktierter Informationen und über den Projektfortschritt;
  2. die Kommunikation des Ergebnisses an die beteiligten Projektpartner;
  3. die Veröffentlichung der Ergebnisse als Transferangebot, z. B. auf der IBB-Homepage.

Diese Vorgehensweise soll die regionale Netzwerkentwicklung unterstützen und die für die Schulentwicklung notwendige Verlässlichkeit und Verbindlichkeit sicherstellen.

Welche Vorteile hat es, das Peer-Review-Verfahren in Ihrer Zusammenarbeit einzusetzen?

Peers schauen kritisch, aber auch beratend-freundschaftlich auf Prozesse und Arbeitsergebnisse. Zudem besitzen sie eine entsprechende Fachkompetenz und haben den gleichen beruflichen Hintergrund. Dies schafft für die Evaluation von außen eine Vertrauensbasis. Durch den Dialog zwischen dem Experten und Geprüftem wird ein (gegenseitiger) Lernprozess gefördert wird. Die berühmten „blinden Flecken“ werden sichtbar. Die externe Sicht der „kritischen Freunde“ führt ggf. zu Innovationen, auf jeden Fall aber zu einer Qualitätssicherung. Alle diese Vorteile möchten wir für unsere Arbeit nutzen, denn dies kommt letztlich allen an beruflicher Bildung Beteiligten zugute.

Was versprechen Sie sich von Ihrer Arbeit?

Eine regionale Zusammenarbeit wie diese eröffnet die Chance, die eigene Arbeit effizienter und effektiver zu gestalten. Außerdem soll die „Marke Berufskolleg“ weiter in das Bewusstsein sowohl der Lernenden als auch der Eltern, Ausbildungsbetriebe und Schulträger gebracht werden.

Herr Dr. Weber, vielen Dank für Ihre Ausführungen.

 

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